Stillen tut weh, das musst du nicht aushalten: die 4 Zeichen für richtiges Anlegen

Sarah Mann·7 Minuten Lesezeit

Fast alle Mütter kennen ihn, den ziehenden, wunden Schmerz beim Anlegen. Die wichtigste Botschaft zuerst: Du musst ihn nicht ertragen. In den allermeisten Fällen ist er ein Zeichen, das sich beheben lässt.

Es gibt diesen Moment, in dem man sich innerlich zusammenkrampft, kurz bevor das Baby andockt, weil man weiß, wie weh es gleich tut. Manche Mütter beißen die Zähne zusammen, weil ihnen gesagt wurde, das gehöre eben dazu. Und mit jedem Stillen wächst die heimliche Überlegung, ob die Flasche nicht doch einfacher wäre.

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Ich möchte dir hier zwei Dinge geben: die Entlastung, dass du mit diesem Schmerz nicht allein bist und nichts falsch machst, und das konkrete Werkzeug, um ihn loszuwerden. Denn Schmerzen beim Stillen sind fast immer ein Hinweis, kein Schicksal.

Wund zu sein ist normal, wehtun muss es nicht

Ein empfindliches Ziehen in den ersten Sekunden des Anlegens haben in den ersten Tagen sehr viele Mütter. Deine Brustwarzen sind eine Belastung noch nicht gewohnt, das pendelt sich in den ersten ein bis zwei Wochen meist ein.

Was aber nicht normal ist: anhaltender, stechender oder wunder Schmerz während der ganzen Mahlzeit, aufgerissene oder blutende Brustwarzen, oder Schmerz, der von Tag zu Tag schlimmer statt besser wird. Das ist der Punkt, an dem der Satz "Stillen tut eben weh" gefährlich wird, denn er hält Mütter davon ab, nach der eigentlichen Ursache zu suchen. Und die liegt sehr häufig einfach im Anlegen.

Die gute Nachricht dahinter: Wenn das Anlegen die Ursache ist, spürst du nach dem Korrigieren oft schon bei derselben oder der nächsten Mahlzeit eine deutliche Erleichterung.

Die 4 Zeichen für richtiges Anlegen

Diese vier Dinge kannst du beim Stillen selbst sehen. Wenn sie stimmen, liegt dein Baby mit hoher Wahrscheinlichkeit gut an.

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1. Der Mund ist weit geöffnet

Dein Baby sollte den Mund richtig weit aufmachen, fast wie beim Gähnen, bevor es andockt. Ein kleiner, spitzer Mund, der nur die Brustwarze erwischt, ist die häufigste Schmerzquelle. Es geht darum, dass dein Baby einen großen Mundvoll Brust nimmt, nicht nur die Spitze.

2. Mehr Warzenhof unten sichtbar als oben

Dein Baby liegt idealerweise leicht asymmetrisch an: Von deinem Warzenhof ist unterhalb des Mundes weniger zu sehen als oberhalb. Das bedeutet, dass die Brustwarze im Mund nach oben Richtung Gaumen zeigt und der Unterkiefer viel Brustgewebe erfasst, weg von der empfindlichen Spitze.

3. Die Unterlippe ist nach außen gestülpt

Beide Lippen, besonders die untere, sollten nach außen gestülpt sein wie bei einem kleinen Fisch, nicht nach innen eingezogen. Eine eingerollte Lippe reibt und schmerzt. Du kannst die Unterlippe nach dem Andocken vorsichtig mit dem Finger nach außen schieben, wenn sie eingeklappt ist.

4. Das Kinn berührt die Brust, die Nase ist frei

Das Kinn deines Babys liegt an der Brust an, der Kopf ist leicht in den Nacken geneigt. So bleibt die Nase automatisch frei, und dein Baby kann tief und wirksam trinken. Du musst die Brust also nicht mit dem Finger von der Nase wegdrücken.

Ein fünftes, hörbares Zeichen: Es gibt keine Klick- oder Schmatzgeräusche. Klickt es, verliert dein Baby immer wieder das Vakuum, oft ein Hinweis auf ein nicht optimales Anlegen. Gut klingt ein ruhiges, rhythmisches Saugen und Schlucken, und die Wangen sind rund, nicht eingezogen.

Der Soforthelfer: zurücklehnen und asymmetrisch anlegen

Wenn du eine Sache ausprobieren möchtest, dann diese Kombination. Viele Mütter erleben damit sofort einen Unterschied.

Lehn dich zurück. In einer halb liegenden, gut gestützten Position ("laid-back") liegt dein Baby bäuchlings auf dir, die Schwerkraft hilft beim Andocken, und viele Babys finden so von selbst besser an die Brust. Diese entspannte Haltung nimmt sofort Druck aus der Situation.

Leg asymmetrisch an. Halte dein Baby so, dass seine Nase auf Höhe deiner Brustwarze ist, nicht der Mund. Warte, bis es den Mund weit öffnet, und führe es dann zügig und bestimmt heran, sodass das Kinn zuerst die Brust berührt und die Brustwarze nach oben in Richtung Gaumen gleitet. So bekommt dein Baby den großen Mundvoll, der nicht schmerzt.

Wenn du neu ansetzen musst: Löse dein Baby niemals von der saugenden Brust weg, das reibt und tut weh. Schieb stattdessen sanft deinen kleinen Finger in den Mundwinkel, bis das Vakuum sich löst, und beginne dann neu. Ein hilfreicher Trick bei bereits wunder Stelle: Leg die wunde Stelle beim erneuten Ansetzen bewusst in den Mundwinkel deines Babys, dort drückt der Saugvorgang am wenigsten.

Wenn der Schmerz trotzdem bleibt

Manchmal stimmt das Anlegen sichtbar, und es tut trotzdem weiter weh. Dann lohnt sich der Blick auf andere, gut behandelbare Ursachen. Diese gehören in die Hände einer Fachperson, rate hier nicht selbst herum:

  • Soor (ein Hefepilz): brennende, stechende Schmerzen, oft in beiden Brüsten und auch noch nach dem Stillen. Muss bei Mutter und Baby gleichzeitig behandelt werden.
  • Ein verkürztes Zungenband: Dein Baby kann die Zunge nicht richtig ausstrecken, das Trinken bleibt schmerzhaft und wenig wirksam. Das lässt sich abklären und bei Bedarf lösen.
  • Ein Vasospasmus: Die Brustwarze verfärbt sich nach dem Stillen weißlich, dann folgt ein stechender Schmerz. Auch das ist bekannt und behandelbar.

Für all das ist eine Stillberaterin (IBCLC) die richtige Adresse, ergänzend deine Hebamme. Sie schauen beim Anlegen live zu, was kein Text der Welt ersetzen kann.

Wann du nicht abwartest

Hol dir zeitnah Unterstützung, wenn eines davon zutrifft:

  • Die Brustwarzen sind aufgerissen oder bluten, oder der Schmerz wird von Tag zu Tag stärker.
  • Der Schmerz ist brennend oder stechend und hält auch zwischen den Mahlzeiten an.
  • Ein Bereich deiner Brust wird hart, rot, heiß, und du fühlst dich krank oder bekommst Fieber. Das kann auf einen Milchstau oder eine Brustentzündung hindeuten und sollte rasch eingeordnet werden.

Häufige Fragen

Ist Schmerz beim Stillen normal?

Ein kurzes, empfindliches Ziehen zu Beginn ist in den ersten Tagen häufig. Anhaltender, wunder oder stechender Schmerz während der ganzen Mahlzeit ist es nicht und weist meist auf ein lösbares Anlege-Problem hin.

Wie erkenne ich, ob mein Baby richtig anliegt?

An vier sichtbaren Zeichen: weit geöffneter Mund, mehr Warzenhof unten als oben sichtbar, nach außen gestülpte Unterlippe und Kinn an der Brust. Dazu ein ruhiges Saugen ohne Klickgeräusche.

Was tun bei wunden Brustwarzen?

Zuerst das Anlegen verbessern, denn das ist die häufigste Ursache. Zurückgelehnt stillen, asymmetrisch anlegen und zum Lösen den kleinen Finger in den Mundwinkel schieben. Bleibt der Schmerz, lass es bei einer Stillberaterin anschauen.

Muss ich abstillen, wenn Stillen so weh tut?

In den allermeisten Fällen nicht. Schmerz ist fast immer ein behebbares Problem. Bevor du wegen der Schmerzen aufgibst, lohnt sich eine persönliche Stillberatung fast immer.

Du musst dich nicht durch die Stillzeit beißen. Schmerz ist ein Signal, kein Preis, den du zahlen musst. Nimm das Signal ernst, probier das bessere Anlegen aus, und hol dir Hilfe, wenn es nicht reicht. Stillen darf sich gut anfühlen, für dich beide.

Dieser Artikel gibt allgemeine, sorgfältig recherchierte Informationen und ersetzt keine persönliche Beratung durch Hebamme, Stillberaterin oder Ärztin.

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Deine Sarah

Über die Autorin

Sarah Mann

Siebenfache Mama. Zertifizierte Sensitive Sleep Consultant des ISSC Australia. Gründerin von Babyschlummerland. Schreibt seit zehn Jahren über bindungsorientierten Babyschlaf, weil sie selbst Jahre gebraucht hat, um den eigenen Weg zu finden.

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