Wunde Brustwarzen: was in den ersten Tagen wirklich hilft

Sarah Mann·6 Minuten Lesezeit

Wunde Brustwarzen sind einer der häufigsten Gründe, warum Mütter das Stillen früh aufgeben, und einer der am besten behandelbaren. Hier kommt die konkrete Soforthilfe für die ersten Tage.

In den ersten Tagen mit einem Neugeborenen sind wunde Brustwarzen fast schon ein Klassiker. Jedes Anlegen wird zur Anspannung, du zählst innerlich die Sekunden bis zum Loslassen, und irgendwann fragst du dich, wie du das durchhalten sollst.

wunde brustwarzen — Wunde Brustwarzen: was in den ersten Tagen wirklich hilft

Zwei Dinge vorweg: Du bist damit nicht allein, das erleben sehr viele Mütter. Und in den allermeisten Fällen ist das gut in den Griff zu bekommen, ohne dass du deshalb abstillen musst. Legen wir los mit dem, was wirklich hilft.

Zuerst die Ursache, dann die Salbe

Es ist verständlich, bei wunden Brustwarzen sofort nach einer Creme zu suchen. Aber die wichtigste Frage ist eine andere: Warum werden sie überhaupt wund?

In den allermeisten Fällen liegt die Ursache im Anlegen. Erwischt dein Baby nur die Brustwarzenspitze statt eines großen Mundvoll Brust, reibt und quetscht es bei jedem Saugen genau die empfindlichste Stelle. Jede Salbe der Welt hilft nur begrenzt, solange diese Ursache bestehen bleibt.

Deshalb ist der erste und wirksamste Schritt, das Anlegen zu überprüfen und zu verbessern. Woran du gutes Anlegen erkennst und wie der entlastende Anlege-Griff geht, liest du im Beitrag Stillen tut weh: die 4 Zeichen für richtiges Anlegen. Das ist die halbe Miete.

Soforthilfe für die ersten Tage

Zusätzlich zum besseren Anlegen helfen diese einfachen Dinge, damit die Haut heilen kann:

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  • Muttermilch als Heilmittel. Streich nach dem Stillen ein paar Tropfen deiner eigenen Milch auf die Brustwarze und lass sie antrocknen. Muttermilch enthält schützende Stoffe und ist völlig kostenlos.
  • Luft und Trockenheit. Lass die Brustwarzen nach dem Stillen so oft wie möglich an der Luft trocknen. Feuchte, warme Enge in Still-Einlagen begünstigt das Wundsein. Wechsle durchgeweichte Einlagen häufig.
  • Reines Lanolin. Ein hochreines Wollwachs (Lanolin) hält die Haut geschmeidig und unterstützt die Heilung. Es muss vor dem Stillen nicht abgewaschen werden.
  • Bei Rissen feuchte Wundheilung. Bei tieferen, offenen Rissen können spezielle Hydrogel-Auflagen die Heilung fördern. Lass dich dazu von deiner Hebamme oder in der Apotheke beraten.
  • Nicht mit Seife schrubben. Klares Wasser genügt. Aggressives Waschen, Desinfektionsmittel oder Alkohol trocknen die Haut zusätzlich aus.

Der Trick, der jedes Anlegen erträglicher macht

Solange die Brustwarzen noch heilen, kannst du den Schmerz beim Anlegen spürbar verringern:

  • Beginne mit der weniger wunden Seite. Der erste Anlegereiz ist am stärksten. Ist dein Baby dann schon etwas satter und ruhiger, saugt es an der wunderen Seite sanfter.
  • Leg die wunde Stelle in den Mundwinkel. Dort, wo der Mundwinkel deines Babys sitzt, ist der Druck beim Saugen am geringsten. Wenn du beim Ansetzen die wunde Stelle bewusst dorthin drehst, tut es weniger weh.
  • Reg den Milchspendereflex vorher an. Ein bisschen sanfte Massage oder Wärme vor dem Anlegen sorgt dafür, dass die Milch schon fließt, wenn dein Baby andockt. Dann muss es nicht so kräftig saugen.

Und ganz wichtig, weil es so oft falsch gemacht wird: Löse dein Baby nie, indem du es einfach von der Brust wegziehst. Das reißt an der wunden Haut. Schieb stattdessen sanft deinen kleinen Finger in seinen Mundwinkel, bis sich das Vakuum löst, und nimm es dann ab.

Ein Wort zu Stillhütchen

Stillhütchen, also dünne Aufsätze aus Silikon, können in bestimmten Situationen kurzfristig eine Brücke sein, etwa bei sehr starken Schmerzen. Sie sind aber keine Dauerlösung und lösen das eigentliche Anlege-Problem nicht. Manchmal können sie sogar zu einer Saugverwirrung führen oder die Milchmenge beeinflussen. Wenn du sie einsetzen möchtest, lass dir Größe und Anwendung am besten von einer Hebamme oder Stillberaterin zeigen.

Wann du Hilfe holst

Wunde Brustwarzen bessern sich mit den Maßnahmen oben meist innerhalb weniger Tage. Hol dir Unterstützung von deiner Hebamme oder einer Stillberaterin, wenn:

  • die Brustwarzen tief eingerissen sind oder bluten
  • sich trotz besserem Anlegen und Pflege nach einigen Tagen keine Besserung zeigt
  • der Schmerz brennend oder stechend ist und auch zwischen den Mahlzeiten anhält, denn dahinter kann ein Hefepilz (Soor) stecken, der eigens behandelt werden muss
  • du den Verdacht hast, dass ein verkürztes Zungenband deinem Baby das richtige Andocken unmöglich macht

Und falls zusätzlich eine Stelle deiner Brust hart, rot und heiß wird oder du Fieber bekommst, schau in den Beitrag Milchstau oder Brustentzündung, dann geht es um etwas anderes als nur um die Haut.

Häufige Fragen

Was hilft schnell gegen wunde Brustwarzen?

Der wirksamste Schritt ist besseres Anlegen. Ergänzend helfen eigene Muttermilch auf der Wunde, Luft und Trockenheit sowie reines Lanolin. Der Anlege-Trick, die wunde Stelle in den Mundwinkel zu legen, nimmt akut den Schmerz.

Sind wunde Brustwarzen normal?

Ein empfindliches Ziehen in den ersten Tagen erleben viele Mütter. Aufgerissene, blutende oder dauerhaft brennende Brustwarzen sind es nicht und sollten angeschaut werden, meist steckt ein lösbares Anlege-Problem dahinter.

Darf ich mit wunden Brustwarzen weiterstillen?

In der Regel ja. Wichtig ist, die Ursache anzugehen. Nur bei sehr starken Schmerzen kann eine kurze Pause an der betroffenen Seite mit Abpumpen sinnvoll sein, am besten in Absprache mit deiner Hebamme.

Wann muss ich zur Stillberatung?

Bei tiefen oder blutenden Rissen, ausbleibender Besserung nach einigen Tagen oder brennendem Schmerz auch nach dem Stillen. Eine Stillberaterin schaut beim Anlegen live zu und findet die Ursache.

Wunde Brustwarzen fühlen sich in den ersten Tagen zermürbend an, aber sie sind fast immer ein vorübergehendes und lösbares Problem. Geh die Ursache am Anlegen an, gönn deiner Haut Milch, Luft und etwas Lanolin, und hol dir früh fachlichen Rat, wenn es nicht besser wird. Du musst deshalb nicht abstillen.

Dieser Artikel gibt allgemeine, sorgfältig recherchierte Informationen und ersetzt keine persönliche Beratung durch Hebamme, Stillberaterin oder Ärztin.

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Deine Sarah

Über die Autorin

Sarah Mann

Siebenfache Mama. Zertifizierte Sensitive Sleep Consultant des ISSC Australia. Gründerin von Babyschlummerland. Schreibt seit zehn Jahren über bindungsorientierten Babyschlaf, weil sie selbst Jahre gebraucht hat, um den eigenen Weg zu finden.

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