Schmerzmittel und Medikamente in der Stillzeit: musst du wirklich abstillen?

Sarah Mann·5 Minuten Lesezeit

Kaum meldet sich Kopfweh oder eine Erkältung, kommt bei stillenden Müttern sofort die bange Frage: Schade ich meinem Baby, wenn ich etwas nehme? Muss ich abstillen? Die beruhigende Antwort lautet meistens: nein.

Der Beipackzettel schürt die Angst oft zusätzlich. Dort steht bei fast jedem Mittel derselbe vorsichtige Satz, dass es in der Stillzeit nur nach Rücksprache angewendet werden soll. Also verzichten viele Mütter lieber ganz, beißen die Schmerzen zusammen oder stillen im schlimmsten Fall vorschnell ab.

medikamente in der stillzeit — Schmerzmittel und Medikamente in der Stillzeit: musst du wirklich abstillen?

Das muss nicht sein. Es gibt für die Stillzeit sehr gute, verlässliche Informationen, und die zeichnen ein viel entspannteres Bild als der Beipackzettel. Schauen wir es uns an.

Warum der Beipackzettel dich in die Irre führt

Der Warnhinweis auf dem Beipackzettel bedeutet fast nie, dass ein Mittel gefährlich ist. Er bedeutet meist nur, dass der Hersteller keine eigenen Studien speziell für die Stillzeit vorgelegt hat und sich rechtlich absichert. Aus dieser Vorsicht wird bei Müttern schnell echte Angst.

Die tatsächliche Datenlage ist oft viel besser, als der Zettel vermuten lässt. Nur steht sie eben nicht auf der Packung, sondern in unabhängigen Fachquellen.

Schmerzen und Fieber: Ibuprofen und Paracetamol

Das sind die beiden Mittel, nach denen am häufigsten gefragt wird, und hier ist die Antwort erfreulich klar.

Ibuprofen und Paracetamol gelten in der Stillzeit als Schmerz- und Fiebermittel der Wahl. Beide sind gut untersucht, gehen nur in sehr geringen Mengen in die Milch über und werden für das Baby als unbedenklich eingestuft, wenn du dich an die übliche Dosierung hältst. Du musst wegen Kopfschmerzen, Zahnschmerzen oder Fieber also weder leiden noch abstillen.

Von Acetylsalicylsäure, dem Wirkstoff in vielen klassischen Kopfschmerztabletten, wird in der Stillzeit als Dauer- oder Hochdosis-Schmerzmittel dagegen eher abgeraten. Auch hier lohnt der kurze Blick in eine verlässliche Quelle statt der pauschalen Sorge.

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Erkältung und Alltagsbeschwerden

Bei einer normalen Erkältung darfst du weiterstillen, im Gegenteil, dein Baby bekommt über die Milch sogar Abwehrstoffe mit. Für die Beschwerden selbst gilt:

  • Setze auf einzelne Wirkstoffe statt auf Kombipräparate. Ein Mittel, das gleichzeitig gegen Schnupfen, Husten und Schmerzen wirkt, enthält oft Bestandteile, die du gar nicht brauchst.
  • Vorsicht bei abschwellenden Mitteln. Manche Wirkstoffe, die die Nase frei machen sollen (zum Beispiel Pseudoephedrin in Tablettenform), können die Milchbildung dämpfen. Ein abschwellendes Nasenspray, das nur örtlich wirkt, ist meist die günstigere Wahl.
  • Hausmittel zuerst. Viel trinken, Ruhe, Inhalieren und Nasenspülungen sind in der Stillzeit ohnehin unbedenklich und oft erstaunlich wirksam.

Antibiotika und andere Medikamente

Auch hier gilt: Ein Antibiotikum ist selten ein Abstillgrund. Viele gängige Antibiotika, etwa aus der Gruppe der Penicilline, sind mit dem Stillen gut vereinbar. Wenn dein Baby danach vorübergehend etwas weicheren Stuhl hat, ist das meist harmlos.

Bei Dauermedikamenten, bei Mitteln gegen chronische Erkrankungen, bei Psychopharmaka oder vor geplanten Untersuchungen und Narkosen lohnt sich immer die gezielte Rücksprache. Nicht, weil Stillen automatisch verboten wäre, sondern damit gemeinsam die stillverträglichste Variante gewählt werden kann. Sehr oft gibt es eine.

Embryotox: deine wichtigste Quelle

Wenn du dir eine einzige verlässliche Adresse merken möchtest, dann diese: Embryotox, das unabhängige Portal des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrums der Berliner Charité.

Dort findest du zu sehr vielen Wirkstoffen eine fachlich fundierte, verständliche Einschätzung speziell für Schwangerschaft und Stillzeit. Du gibst einfach den Namen des Wirkstoffs oder des Präparats ein und liest, wie es bewertet wird. Das ist um Welten hilfreicher als der pauschale Warnsatz auf dem Beipackzettel und gibt dir echte Sicherheit statt diffuser Angst.

So nutzt du sie sinnvoll: Bevor du wegen eines Medikaments verzichtest oder abstillst, schau bei Embryotox nach oder bitte deine Ärztin, deinen Arzt oder die Apotheke, das mit dir dort zu prüfen.

Wann du auf keinen Fall eigenmächtig abstillst

Der wichtigste Satz zum Schluss: Setz das Stillen nicht in Panik ab, nur weil du etwas nehmen musst oder ein Beipackzettel dich verunsichert hat. Ein einmal unterbrochenes Stillen lässt sich nicht immer einfach wieder aufnehmen.

Frag stattdessen kurz nach, bei deiner Ärztin, deinem Arzt, in der Apotheke oder über Embryotox. In den allermeisten Fällen bekommst du grünes Licht oder eine stillverträgliche Alternative.

Häufige Fragen

Welches Schmerzmittel darf ich in der Stillzeit nehmen?

Ibuprofen und Paracetamol gelten als Mittel der Wahl und sind in der üblichen Dosierung gut mit dem Stillen vereinbar. Von hochdosierter Acetylsalicylsäure wird eher abgeraten.

Muss ich abstillen, wenn ich ein Antibiotikum brauche?

Meist nicht. Viele Antibiotika, etwa Penicilline, sind stillverträglich. Lass dir gezielt ein passendes verschreiben, statt abzustillen.

Woher weiß ich, ob ein Medikament in der Stillzeit erlaubt ist?

Die verlässlichste Quelle ist das unabhängige Portal Embryotox der Charité. Dort findest du fundierte Einschätzungen zu vielen Wirkstoffen, deutlich hilfreicher als der Beipackzettel.

Darf ich bei einer Erkältung weiterstillen?

Ja. Dein Baby bekommt über die Milch sogar Abwehrstoffe. Setz bei den Beschwerden auf einzelne Wirkstoffe und Hausmittel und meide dämpfende Kombipräparate.

Du musst in der Stillzeit weder leiden noch bei jeder Kleinigkeit abstillen. Mit Ibuprofen und Paracetamol für den Alltag und Embryotox als verlässlichem Nachschlagewerk bist du gut aufgestellt. Und für alles, was darüber hinausgeht, ist eine kurze Rückfrage der richtige Weg, nicht der vorschnelle Verzicht.

Dieser Artikel gibt allgemeine, sorgfältig recherchierte Informationen und ersetzt keine persönliche Beratung durch Ärztin, Arzt oder Apotheke. Kläre die Einnahme von Medikamenten in der Stillzeit im Zweifel individuell ab, zum Beispiel über Embryotox.

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Deine Sarah

Über die Autorin

Sarah Mann

Siebenfache Mama. Zertifizierte Sensitive Sleep Consultant des ISSC Australia. Gründerin von Babyschlummerland. Schreibt seit zehn Jahren über bindungsorientierten Babyschlaf, weil sie selbst Jahre gebraucht hat, um den eigenen Weg zu finden.

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