Und jetzt kommt der Teil, den dir selten jemand sagt.
Du stehst hier nicht, weil du zu wenig weißt. Sondern weil du zu viel weißt. Wir Eltern wissen heute mehr über Kinder als jede Generation vor uns. Und trotzdem waren wir noch nie so unsicher. Der eine Ratgeber sagt dies, die nächste Studie sagt jenes. Auf Instagram heißt es „auf keinen Fall so", eine Stimme warnt vor dem einen, die nächste vor dem Gegenteil.
Denn beim Thema Babyschlaf schwingt seit Jahrzehnten ein Pendel.
Lange schlug es weit auf die eine Seite. Feste Zeiten, klare Programme, durchhalten. Gefühle spielten kaum eine Rolle. Für viele Eltern fühlte sich das hart und falsch an, und das aus gutem Grund.
Also schlug das Pendel zurück. Mit voller Wucht. Jetzt hieß es: jede Träne sofort begleiten, jedes Bedürfnis möglichst erfüllen, immer verfügbar sein, bloß keine Grenze, die unangenehm sein könnte.
Und versteh mich bitte nicht falsch. Die Motivation dahinter ist wunderschön. Sie kommt aus Liebe und aus dem tiefen Wunsch, es besser zu machen.
Nur: Beim ersten Ausschlag blieben die Bedürfnisse der Kinder auf der Strecke. Und beim zweiten bleiben die Eltern auf der Strecke, meistens die Mütter.
Deshalb stehst du nachts um 3:14 Uhr da und denkst: „Ich kann nicht mehr. Aber ich darf doch nicht Nein sagen."
Das ist kein persönliches Versagen. Das ist ein Pendel, mit dem du mitgeschwungen bist.
Und der Ausweg ist nicht der nächste Ausschlag. Nicht mehr Strenge, aber auch nicht noch mehr Nachgeben. Der Ausweg ist die Mitte, in der das Pendel zur Ruhe kommt.
Diese Mitte ist übrigens kein fauler Kompromiss zwischen streng und weich. Sie ist das Volle: klare Führung und volle Liebe zugleich. Beides mit ganzer Kraft.